Inhalt

Vineta erzählt die Geschichte des herzkranken Spitzenarchitekten und Workaholics Sebastian Färber (Peter Lohmeyer), der zu einem Geheimauftrag in eine Villa auf einer entlegenen Insel berufen wird. Dort treffen sich sechs Experten zu einem Plenum unter der Leitung des geheimnisvollen Dr. Leonard (Ulrich Matthes) und seiner Assistentin Nina Seiler (Susanne Wolff), um einen Neuentwurf der idealen Stadt von morgen zu konzipieren. Der zeitliche Rahmen ist eng, die städtebaulichen Vorstellungen prallen aufeinander. Zudem gerät Färber immer mehr in ungewöhnliche Situationen, die vermuten lassen, dass Dr. Leonhard andere Ziele verfolgt. Erst die wachsende Zuneigung zwischen Nina und Sebastian lassen die Sinne des Architekten langsam wieder erwachen.

Interview Franziska Stünkel

Um was geht es Ihnen in Vineta?

Für Vineta habe ich im Hier und Jetzt recherchiert. Im Mittelpunkt des Films steht das Thema Arbeit. Es ging mir dabei nicht um die viel diskutierten Facetten der Arbeitslosigkeit, sondern um die andere Seite der Medaille: Ein Zuviel an Arbeit - Arbeitssucht. Darüber wird wenig gesprochen, obgleich beide Themen ganz eng zusammengehören, denn die, die Arbeit haben, lassen sich aus Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes immer mehr strapazieren. Getrieben rennen sie in einen Zeitinfarkt, verlieren schließlich die Gesundheit – physisch und psychisch. Burn-Out ist nur ein Schlagwort auf einem langen Weg, den auch in meinem Umfeld schon einige Menschen betreten haben.

Mit wem haben Sie sich während der Recherche ausgetauscht?

Zum Thema ‚Arbeitssucht’ stand ich mit Wissenschaftlern und Psychologen in Kontakt. Doch in der Hauptsache habe ich beobachtet und versucht dadurch dieses Verhalten zu begreifen, das sich in den letzten Jahren immer stärker ausgebreitet hat.

Was hat Sie auf die Idee gebracht Moritz Rinkes Theaterstück ‚Republik Vineta’ zu verfilmen?

Als ich das Theaterstück am Thalia Theater in Hamburg sah, war die Idee zu ‚Vineta’ geboren. Dieser Reigen, der sich in den Wahnsinn arbeitenden Männer, hat mich nachhaltig beeindruckt. Moritz Rinke wurde im Verlauf der Arbeit zu einem meiner wichtigsten Gesprächspartner.

Der Film lief erfolgreich auf Internationalen Filmfestivals, u.a. in China, den USA und Indien. Was haben Sie auf diesen Reisen für Erfahrungen sammeln können?

Es waren faszinierende Erfahrungen. Die vielen schönen Gespräche mit Zuschauern und Journalisten bleiben in Erinnerung. Es ist schön mitzuerleben, wie ein Film die Menschen in den verschiedenen Ländern bewegt. In den USA traf ich vornehmlich auf sehr erfahrene Gesprächspartner: Arbeitssucht ist hier schon lange als Krankheit anerkannt. Auch in Japan werden Betroffene in großen staatlichen Therapiezentren versorgt. In China hingegen traf ich auf Neugier und viele Fragen. Dort steht man am Anfang, in Deutschland am Umbruch. Gegenwärtig wächst das Bewusstsein für diese Erkrankung, man spricht von einer extrem hohen Dunkelziffer und forscht nach Behandlungsmethoden.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Peter Lohmeyer?

Das erste Mal begegneten wir uns bei meinem Kurzfilm ‚It’s a small world’. Das war eine sehr schöne Zusammenarbeit. Danach bereitete ich ‚Vineta’ vor. Während der Recherche ließ mich ein Gedanke nicht los: Peter Lohmeyer als Sebastian Färber - ein Gefangener, in sich, in all seinen architektonischen Visionen von menschenfreundlichem Leben, die jedoch ausschließlich in seinem Kopf stattfinden. Peter Lohmeyer sagte zu, während ich begann das Drehbuch zu schreiben. Für mich als Regisseurin und Autorin war dieses frühe Zusammenkommen ein großes Geschenk. So konnten wir uns Beide über einen langen Zeitraum mit Färbers seelischen und körperlichen Zuständen auseinandersetzen, der emotionalen Leere und dieser reinen Funktionalität für die Arbeit. Die von Färber stets benutzten Walnüsse, die Entscheidung seine Haare abzurasieren, sein Verlust des Lächelns sind nur einige Beispiele dieser inspirierenden und an Gesprächen reichen Zusammenarbeit.

Was bedeutet Filmemachen für Sie?

Ich denke, wir leben in einer komplexen Welt, in der Antworten nicht immer einfach sind. In einem Film kann man versuchen, Fragen zu stellen und den Anstoß zu einer Suche geben.